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Austern essen im Kempinski: Klasse 11a trifft Angela Merkel
Dialog: Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Panna Posztl und Emma Kliegl, Schülerinnen der Deutschen Schule Budapest. © Évi Fábián
„Szabadság“ - Freiheit, Sehnsucht und Mut: Darum ging es in einer Begegnung zwischen Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Schülerinnen und Schülern in Budapest. Mit dabei: Klasse 11a der Deutschen Schule Budapest.
Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte im Rahmen ihrer Buchpremiere in Ungarn am 1. Oktober 2025 das Goethe-Institut in Budapest, um mit ungarischen Schülerinnen und Schülern in einen Austausch zu treten. Ihre Politik hat Europa nachhaltig geprägt; sie war die erste Frau in diesem Amt, Zeitzeugin der DDR, und hatte sich insbesondere dem Wert der „Freiheit“ verschrieben. So auch der Titel ihrer nun ins Ungarische übersetzten Autobiographie „Szabadság“.
Souverän und neugierig
Neben zwei Sprachdiplomschulen, dem Deutschen Nationalitätengymnasium aus Budapest und dem Friedrich-Schiller-Gymnasium aus Pilisvörösvár wurde auch die Klasse 11a der Deutschen Schule Budapest (DSB) zur Teilnahme Erlebnis ausgewählt. Auf der Bühne durften die DSB-Schülerinnen Panna Posztl und Emma Kliegl Angela Merkel mit den teils politisch hoch aktuellen, teils privaten Fragen konfrontieren, die sie zuvor zusammen im Klassenverband erarbeitet hatten.
Julia Eipper, Klassenlehrerin der 11a erzählt: „Sehr souverän und neugierig führten die beiden Interviewerinnen das Gespräch. Schnell wurde auch uns, dem Publikum, klar, dass wir hier eine ehemalige Politikerin sehen, die ganz Mensch ist, … auf Augenhöhe, … immer wieder dazu appelliert, optimistisch in die Zukunft zu blicken - ohne Angst.“
Merkel erzählt auch von Anekdoten, als beispielsweise ein Junge sie in ihrer Amtszeit fragte: „Kann man eigentlich auch als Mann Bundeskanzler werden?“ An die Schülerinnen appelliert sie, nicht ihr „Licht unter den Scheffel zu stellen“ und machte ihnen Mut, Führungsrollen zu übernehmen.
Die Seele Europas
Merkel lenkt die Fragen immer wieder zurück auf die „Seele Europas“. Dabei betont sie die Staatengemeinschaft der EU als „existenziell“, und spricht immer wieder alle Schülerinnen und Schüler direkt an: die EU stehe für Vielfalt, Gemeinsamkeit trotz unserer Unterschiede, die Notwendigkeit von Empathie und Solidarität, Toleranz, Offenheit. Die Aufgabe der anwesenden Jugendlichen bestehe nun laut Merkel darin, sich immer wieder „Plätze zu suchen, wo verschiedene Gruppen zusammenkommen“, um so ein Meinungsmonopol klar zu verhindern und den Austausch von verschiedenen bunten Ansichten zu stärken. Als Merkel über ihr Leben in der ehemaligen DDR spricht, lernen die Jugendlichen die private Frau kennen, die jene Werte, die sie unerlässlich betont, durch eigene Erfahrung errungen hat. Sie erzählt, dass ihre Mutter in der DDR immer wieder davon geträumt hatte, dass sie, sollte es zu einer Grenzöffnung kommen, Austern im Kempinski (einem Restaurant in Westberlin) essen möchte.
Sehnsucht nach Freiheit
Diese Sehnsucht nach Freiheit, das eigene Leben zu gestalten, ohne Eingriffe befürchten zu müssen findet Resonanz bei der jungen Generation. Und Lehrerin Julia Eipper, die ihre Schülerinnen und Schüler der 11a beobachtet, wie sie fasziniert zuhören, fragt sich: „Was ist eure Sehnsucht? Was sind eure ‚Austern im Kempinski‘? Und in den Blicken sehe ich, wie jede/r für sich selbst gerade dabei ist, ihre/seine ganz eigene Antwort auf diese Frage zu formen.“
Quelle: Julia Eipper (Klassenlehrerin 11a)
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